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Mitglieder des Gewandhausorchesters haben sich im Neuen Bachischen Collegium Musicum (NBCM) zusammengefunden, um die barocke Tradition der historischen Collegia, mit denen schon Johann Sebastian Bach in Leipzig musizierte, mit neuem Leben zu erfüllen. Dabei bedeutet der Ensemblename nicht nur die zeitliche Fortsetzung der Tradition, sondern verdeutlicht auch den Wunsch darzustellen, wie modern, lebendig und zeitlos schön alte Musik erklingen kann. Im Spannungsfeld von unbändiger Musizierfreude, Tradition und historischer Aufführungspraxis bietet das NBCM seinem Publikum einzigartige Konzerterlebnisse und möchte dabei – stets seinem Namen verpflichtet – auch neue Konzertorte und -formen erobern.

Members of the Gewandhaus Orchestra Leipzig have come together in the New Bach Collegium Musicum (NBCM) to breathe new life into the Baroque tradition of the „Collegium Musicum” – an ensemble directed by Johann Sebastian Bach in Leipzig. „New” in the ensemble’s name reflects not only the continuation of the traditions of Leipzig’s „Collegium Musicum” in the present day, but also an articulation of how modern, contemporary and expressive Baroque music sounds when performed by NBCM. Combining a love of music-making with fresh approaches to tradition and historically informed performance, NBCM brings together tradition and modernity in a way that creates unique and original concert experiences for both lovers of Baroque music and completely new audiences.

 
 
 
 

 

CD: Das Leipziger Collegium Musicum Vol. 1:

Neues Bachisches Collegium Musicum –  Reinhard Goebel

Wer glaubt, Johann Sebastian Bach sei in seiner Leipziger Zeit 1723 – 1750 jemals auf Händen getragen worden, der irrt. Höchste Wertschätzung wird ihm in Köthen 1717 – 1723 seitens des musikbegeisterten Fürsten Leopold entgegen gebracht worden sein, aber in Leipzig häuften sich im Laufe seiner fast drei Jahrzehnte währenden Tätigkeit die Probleme, deren krönender Abschluß, sozusagen der Gipfel der Unverschämtheit ein im Juni 1749 abgehaltene „Proba zum künfftigen Cantorat zu St.Thom: wenn der Capellmeister und Cantor Herr Sebast-Bach versterben sollte“. 

Immerhin hatte der Rat der Stadt diesen „mit größten Applausu abgelegten“ Auftritt nicht direkt vor Bachs Türe in der Thomaskirche, sondern im Saal des ein paar Straßen entfernten Gasdthauses „Zu den drei Schwanen“ stattfinden lassen. 

Auf „Ausgleich“ bedacht, präsentierte Bach daraufhin seinen Sohn Wilhelm Friedemann am 1. Advent mit der Kantate „Lasset uns ablegen“ Fk 80, am 1. Weihnachtstag des Jahres dann Carl Philipp Emanuel mit seinem „Magnificat“ E 4 in der Thomaskirche. Ernsthaftes Interesse, dem Vater als Thomaskantor zu folgen, zeigte indes nur C.P.E.Bach, der mit eigener Bewerbung an dem nach dem Tode des Vaters im Juli 1750 anberaumten, aber bereits sinnlosem Auswahl-Verfahren teilnahm.

Johann Sebastian Bachs Nachfolger wurde – und das war hinter den Kulissen längst abgesprochen – der 1703 geborene Komponist Gottlob Harrer, unter August dem Starken super-numerarius der Polnischen Kapelle, ein Schüler Jan Dismas Zelenkas, seit 1737 dann angestellt „bei dem Erlauchtesten allerweisesten und Ehrwürdigsten Grafen von Brühl, den Premierminister des Erhabensten Königs“  und mit dessen Protektion von 1738 – 1741 auf Bildungs-Reise „in Venedig, Rom und Neapel“ . 

Nach Dresden zurückgekehrt wurde er Kapellmeister des Grafen, dessen zeitweise fünfundzwanzig Musiker umfassendes Privat-Orchester auch zur Bespaßung der königlichen Hoheiten Maria Josepha und August III. nicht nur anläßlich der jährlich im November stattfindenden Jagden mit anschließenden Hubertus-Feiern herangezogen wurde. Grundsätzlich folgte diese Kapelle ihrem Herrn, dem Grafen Brühl, der wiederum seinen König nicht aus den Augen ließ, auch auf den zahlreichen Reisen in die königliche Hauptresidenz Warschau. Hier hatte der Graf Brühl in unmittelbarer Nachbarschaft des Königs ein Palais für sich und seinen Hofstaat hatte erbauen lassen.

Brühl war ein später Leib-Page August des Starken + 1733 und wurde in der Regierung  seines Sohnes August III.1733 – 1765 der allmächtige Premierminister dieses eher seiner Mutter Christiane Eberhardine ( für die ihr zu Ehren abgehaltene Trauerfeier hatte Bach 1727 das „Tombeau de la Reine de Pologne – Laß Fürstin ..“ BWV 198 komponiert) nachgeratenen trägen Fürsten.  „Die Vergnügungen des Königs von Polen bestehen in der Jagd, der Musik, in Gemälden, Hofnarren und…wenn er sich in sein Privat-Appartement zurückgezogen hat, hört er nie auf, Tabak zu rauchen, was manchmal auf 34 Pfeifen pro Tag kommt.“ 

Aber anders als Brühls Erzfeind Friedrich II von Preussen er darzustellen versuchte, hatte Brühl alle seine Ämter nicht ursurpiert, sondern von seinem entscheidungs-schwachen König geradezu nachgeworfen bekommen.

Dennoch waren beide im ständigen Wettstreit um Renommé, die wohl stabilste Währung im höfischen Kontext : Brühls Bauten wurden mit den königlichen Schlössern entlehnten Architektur-Zitaten dekoriert und bestellte der Minister Brühl im Auftrag des Königs bei Bellotto Veduten für die königliche Sammlung, so orderte der Privatmann Brühl gleich auf eigene Rechnung leicht verkleinerte Versionen dieser Gemälde für seine Galerie auf der Brühl´schen Terasse. 

Brühl war es, der den ihm durch sein Einlenken in einem Steuer-Streit enorm verpflichteten Leipziger Ratsherren während eines Aufenthalts in der Messestadt Anfang Juni 1749 vermutlich ungebeten und vor allem nicht ganz selbstlos seinen bisherigen Kapellmeister Gottlob Harrer als Nachfolger für den moribunden Johann Sebastian Bach „starck recommendiret“ hatte. 

Sollte es ihm gelingen, Kapellmeister Harrer loszuwerden, dann konnte er den als Spieler weitaus renommierteren Bach-Schüler Goldberg für die frei gewordene Position in seiner Kapelle engagieren. Goldberg “war einer der vortrefflichen Zöglinge des großen Sebastian Bach in der Komposition und auch auf dem Klavier. Das Lob ist ohne Grenzen, dass ihm diejenigen beilegen, die ihn gehört haben. Aber nur wenige können sich dieser Freude rühmen, da er noch fast in Jünglingsjahren schon starb.“…

Die Rochade gelang: am 7/8.August, zehn Tage nach Bachs Tod am 28.Juli 1750, wurde Harrer als Thomas-Kantor bestätigt und trat sein neues Amt am 29.September an. 

Mit der Installation eines in Italien ausgebildeten Thomas-Kantors hatte das offizielle Leipzig endlich Anschluß an die musikalische Moderne gefunden. Aber schon nach fünf Dienstjahren starb Harrer 1755 im Alter von 52 Jahren und man hatte erneut die Qual der Wahl. 

Harrers Oeuvre – in seiner Reichhaltigkeit umfassend belegt in den Verkaufs-Katalogen des Verlages Breitkopf – ist nur sehr fragmentiert erhalten ist: es sind kleinere Kirchen-Werke für Dresden, drei Passions-Oratorien auf Texte Metastasios aus den Leipziger Jahren sowie dreißig Sinfonien aus den Jahren 1734 – 1747, von denen wir hier eine Auswahl vorlegen.

 

Mehr  dazu auf:

Pizzicato.lu
Natürlich strömende Ausformung der melodischen Linien

Concerti.de
Spielfreudig

Swr.de
Music before Bach: Der Dirigent Reinhard Goebel über sein neues Album

Kaufen können Sie die CD  hier: